13 June 2026, 16:13

Angélica Liddells radikale Performance Seppuku feiert Premiere in Wien

Wien-Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells radikale Performance Seppuku feiert Premiere in Wien

Angélica Liddell präsentiert ihre neueste Performance Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben bei den Wiener Festwochen

Die zweistündige Produktion taucht ein in das Leben und den Tod jener, die sich selbst das Leben nahmen – darunter der japanische Schriftsteller Yukio Mishima. Liddell verbindet dabei das traditionelle Nō-Theater mit ihrer eigenen, intensiven Performance-Kunst.

Die Inspiration für das Stück entstand aus einer persönlichen Erfahrung: Am 7. Januar 2024 wurde Liddell in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau. Dieses Erlebnis veranlasste sie, das Thema des freiwilligen Todes in ihrer Arbeit zu erkunden.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Auf der Bühne trägt Liddell Kleidungsstücke, die ihre Compagnie Atra Bilis Teatro von Verstorbenen gesammelt hat. Sie schlüpft in deren Rollen, während sie ihre letzten Momente nacherzählt. Die Aufführung inszeniert auch Mishimas rituellen Selbstmord, eingebettet in die Ästhetik des Nō-Theaters.

Die Vorstellung ist schonungslos in ihrer Intensität: Sie umfasst abrupten Brüche, explizite Szenen – etwa wenn Liddell ein Stück rohes Fleisch verwendet – sowie Momente schwarzhumoriger Ironie, wie den Auftritt eines Bodybuilders neben sich entkleidenden jungen Männern. Blut, das Liddell und einer weiteren Performerin entnommen wird, verstärkt die unmittelbare Wirkung. Der Höhepunkt gipfelt in einer ekstatischen Rechtfertigung des Suizids.

Die Premiere fand auf einem der bedeutendsten europäischen Festivals statt. Die Inszenierung verbindet persönliche Reflexion mit schroffen, oft konfrontativen theatralischen Elementen. Das Publikum bleibt zurück mit einer schonungslosen Auseinandersetzung über Leben, Tod und die Entscheidung, dem eigenen Dasein ein Ende zu setzen.

Quelle