Bachmann-Preis 2024: Provokation, Protest und prämierte literarische Wagnisse
Sigmund FreudenbergerBachmann-Preis 2024: Provokation, Protest und prämierte literarische Wagnisse
Der Bachmann-Preis prämiert mutige Literatur und löst starke Reaktionen aus
In diesem Jahr stand der Bachmann-Preis für besonders kühne literarische Werke und markante Stellungnahmen der Autor:innen. Eine siebenköpfige, rein weibliche Jury bewertete die Einreichungen – einige Schriftsteller:innen hinterließen mit provokanten Themen und persönlichen Abrechnungen bleibenden Eindruck.
Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan zeigt Gott als Angeklagten vor Gericht. Der Richter wirft ihm Vorwürfe vor, doch er entgeht der Strafe, indem er einfach die Wahrheit sagt.
Besonderes Interesse fand die Jury an Texten über marginalisierte Existenzen und Entbehrung. Viele Beiträge nutzten Symbole wie Flecken, um prekäre Lebensumstände darzustellen. Gelobt wurden einfallsreiche Ideen und prägnante Sätze, nur wenige Werke wurden rundweg abgelehnt.
Kinga Tóth erhielt den KELAG-Preis für ihre auf Ungarisch verfasste Erzählung, die den Alltag und die Demütigungen eines „Ostblock-Mädchens“ schildert. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn ausgezeichnet, einen Text über die Herausforderungen eines schwulen Vaters.
Slata Roschal las eine Geschichte, die zunächst Prekariat thematisieren schien, sich dann aber als Kritik am Literaturbetrieb entpuppte. Nach ihrer Lesung verweigerte sie den Blickkontakt zur Jury und prangerte öffentlich die Behandlung von Autor:innen an.
Schaette gewann sowohl den Hauptpreis als auch den Publikumspreis. Ihr Text Was wir tragen untersucht die lebenslangen Folgen von Gewalt und Bewältigungsstrategien übergewichtiger Menschen. Burkhard Spinnen, bekannt für seine Forderung nach „frontaler Opposition gegen alles“ in der Kunst – inklusive gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Zwänge –, verstärkte die provokante Stimmung der Veranstaltung.
Die Preise würdigten vielfältige und wagemutige Erzählungen. Gewinner:innen wie Schaette, Tóth und Keskinkılıç lenkten den Blick auf soziale Kämpfe und persönliche Konflikte. Die Veranstaltung machte zudem die Spannungen zwischen Künstler:innen und Institutionen deutlich – besonders durch Roschals Protest.
