29 April 2026, 04:58

Deutsches Theater feiert Rückkehr der epischen Marathon-Aufführungen

Ein Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" ist aufgeschlagen und zeigt eine Seite mit Text und einem Logo.

Deutsches Theater feiert Rückkehr der epischen Marathon-Aufführungen

Deutsches Theater und die Tradition der Marathon-Aufführungen

Das deutsche Theater ist seit langem für seine ausufernden Inszenierungen bekannt, die Stücke auf außergewöhnliche Längen dehnen. Diese Tradition lebt weiter: Berlins Volksbühne bereitet die Wiederbelebung von Peer Gynt vor, dessen erster Teil einst allein acht Stunden dauerte. Gleichzeitig bringen die Münchner Kammerspiele Wallenstein: Ein Festspiel des Krieges in sieben Gängen – ein siebenstündiges Epos – zum diesjährigen Berliner Theatertreffen.

Der Trend zu ultra-langen Produktionen etablierte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Aufstieg des Regietheaters. Pioniere wie Peter Stein und Frank Castorf sprengten Grenzen und schufen immersive, langatmige Inszenierungen. Robert Wilsons Einstein on the Beach, 1976 uraufgeführt, dauerte vier bis fünf Stunden und setzte früh Maßstäbe. 1999 dehnte Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele auf zwölf Stunden aus, während Die Brüder Karamasow am Bochumer Schauspielhaus 2023 sieben Stunden umfasste.

Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte eine solche Produktion erstmals 2007 beim Wiener Festwochen. Das Format wurde seither zu einem Markenzeichen deutscher Bühnen – auch wenn es keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern gibt. Die Pandemie unterbrach den Trend vorübergehend: Theater passten sich an, boten kürzere, pausenlose Stücke, um mit der Unterhaltung daheim zu konkurrieren.

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Doch mit der Rückkehr des Publikums bleibt die Nachfrage nach monumentalen Inszenierungen ungebrochen. Die Karten für Wallenstein beim Theatertreffen 2023 (1. bis 17. Mai) waren schnell ausverkauft. Die Neuauflage von Peer Gynt zeigt: Die deutsche Theaterliebe für Marathon-Vorstellungen ist längst nicht vorbei.

Die Tradition der langen Abende lebt im deutschen Theater weiter. Während Wallenstein die Zuschauer begeistert und Peer Gynt vor der Wiederauflage steht, bleibt das Publikum immersiven, ausgedehnten Inszenierungen treu. Die Pandemie mag die Stücke zeitweilig verkürzt haben – doch der Hunger nach theatralischen Marathons besteht fort.

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