Entwicklungspolitik in der Krise: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Mitsprache
Cathleen HövelEntwicklungspolitik in der Krise: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Mitsprache
Deutsche Entwicklungspolitik in der Kritik: NGOs fordern grundlegende Reformen
Die deutsche Entwicklungspolitik steht auf dem Prüfstand: Zwei große Nichtregierungsorganisationen haben am Mittwoch in Berlin ihre Jahresbilanz vorgestellt. Mathias Mogge von der Welthungerhilfe und Joshua Hofert von Terre des Hommes präsentierten ihre Erkenntnisse und wiesen auf wachsenden Druck auf die Hilfsbemühungen hin – bedingt durch Krisen, Kriege und den Klimawandel.
In ihrem gemeinsamen Bericht lobten die Organisationen zwar die Neuausrichtung der Entwicklungspolitik, kritisierten jedoch das Fehlen einer klaren Strategie in den aktuellen Reformplänen. Beide NGOs betonten, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit stärker an den Bedürfnissen lokaler Akteure ausgerichtet werden müsse. Gleichzeitig warnten sie davor, dass deutsche Interessen nicht über denen der Partnerländer stehen dürften.
Die Organisationen forderten, die Mittel für humanitäre Hilfe im nächsten Haushalt auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen – ein deutlicher Anstieg gegenüber den derzeitigen eine Milliarde Euro. Mogge unterstrich, dass es bei der Reform nicht nur um die Höhe der Gelder gehe, sondern vor allem um deren Qualität. Er plädierte für weniger Bürokratie und mehr Handlungsspielraum für zivilgesellschaftliche Gruppen.
Hofert machte deutlich, dass die Reform kein von Berlin aus gesteuertes Top-down-Projekt werden dürfe. Er forderte eine frühzeitige und verbindliche Einbindung der Partnerländer, der lokalen Zivilgesellschaft und junger Menschen. Beide Vertreter bestanden darauf, dass Hilfe bedarfsorientiert, neutral und unabhängig bleiben müsse – frei von sicherheitspolitischen oder geostrategischen Einflüssen.
Die Bewertung der NGOs unterstreicht den Bedarf an einem inklusiveren und wirksameren Ansatz in der Entwicklungspolitik. Zu den zentralen Forderungen zählen höhere Finanzmittel, weniger Bürokratie und eine stärkere Beteiligung vor Ort. Der Bericht mahnt zudem an, in der Hilfe Prävention und Krisenbewältigung gleichwertig zu behandeln.
