Europas Medikamentenversorgung wackelt: Wie der Nahost-Konflikt Lieferketten bedroht
Sigmund FreudenbergerEuropas Medikamentenversorgung wackelt: Wie der Nahost-Konflikt Lieferketten bedroht
Europas Arzneimittelversorgung steht vor wachsenden Risiken durch Eskalation im Nahen Osten
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnt, dass militärische Spannungen und gestörte Handelsrouten die Lieferung lebenswichtiger Medikamente gefährden könnten. Als Reaktion schlägt der Verband eine Zehn-Punkte-Sicherheitsstrategie vor, um Lieferketten zu stärken und die Abhängigkeit von gefährdeten Schifffahrtsrouten zu verringern.
Seit Ende 2023 zwingen Angriffe der Huthi-Rebellen im Roten Meer viele Schiffe, den Suezkanal zu meiden. Stattdessen umfahren Frachter das Kap der Guten Hoffnung – eine Umleitung, die jede Reise um zehn bis vierzehn Tage verlängert. Die Frachtkosten auf den Asia-Europa-Routen sind um 200 bis 300 Prozent explodiert, wobei die Spotpreise für einen 40-Fuß-Container zwischen 8.000 und 10.000 Dollar liegen. Einige Reedereien stufen die Route mittlerweile als Hochrisikogebiet ein und verweigern dort komplett ihre Dienste.
Europas Pharmaindustrie ist stark von Asien-importierten Wirkstoffen und Fertigarzneimitteln abhängig – insbesondere aus China. Jede Unterbrechung des Seehandels könnte zu Verzögerungen bei lebensnotwendigen Medikamenten und Rohstoffen führen. Die BPI-Strategie zielt darauf ab, die Arzneimittelversorgung widerstandsfähiger zu machen, indem die lokale Produktion gestärkt und Europa in Krisen handlungsfähiger wird.
Der Plan fordert zudem wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen: Dazu gehören Reformen bei der Preisregulierung, Anpassungen der Rabattverträge sowie niedrige Energiepreise und Unternehmenssteuern. Der BPI argumentiert, dass Ausgaben für Arzneimittel nicht nur als Gesundheits-, sondern auch als Sicherheits- und Wirtschaftsinvestition betrachtet werden sollten.
Die Sicherheitsstrategie des BPI unterstreicht die Notwendigkeit, Industrie- und Gesundheitspolitik enger zu verzahnen. Wenn die Arzneimittelproduktion als Frage der nationalen Sicherheit behandelt wird, könnte Europa seine Abhängigkeit von instabilen Handelsrouten verringern. Das Ziel: eine stabile Medikamentenversorgung – selbst dann, wenn der globale Schiffsverkehr massiv gestört ist.






