Europas Unternehmen setzen weiter auf Bankkredite – doch Alternativen kommen
Sigmund FreudenbergerEuropas Unternehmen setzen weiter auf Bankkredite – doch Alternativen kommen
Europäische Unternehmen bleiben stark von Bankkrediten abhängig
Europäische Unternehmen finanzieren sich nach wie vor überwiegend über Bankkredite – fast die Hälfte aller Mittel stammt von traditionellen Kreditgebern. Doch alternative Finanzierungsformen gewinnen an Bedeutung und machen mittlerweile 30 Prozent der Unternehmensfinanzierung auf dem Kontinent aus. Angesichts sinkender Liquidität und steigender regulatorischer Kosten werden private Platzierungen und andere bankenunabhängige Lösungen in den kommenden Jahren eine größere Rolle spielen.
Für viele europäische Firmen bleiben Bankdarlehen die erste Wahl und decken 48 Prozent ihres Finanzierungsbedarfs. In Deutschland greifen kleinere und mittelgroße Unternehmen häufig auf Bankkredite oder den etablierten Schuldscheinmarkt zurück, ein bewährtes Schuldtitelinstrument. Das Interesse an anderen alternativen Finanzierungsformen jenseits von Schuldscheinen hält sich jedoch in Grenzen.
Trotz der Vorherrschaft klassischer Finanzierungsquellen plant fast die Hälfte (48 Prozent) der europäischen Unternehmen, in den nächsten fünf Jahren vermehrt auf alternative Finanzierungsformen zu setzen. Auch Investoren teilen diese Einschätzung: 57 Prozent erwarten, dass Großkonzerne verstärkt bankenunabhängige Finanzierungsoptionen nutzen werden. Besonders private Platzierungen könnten an Bedeutung gewinnen, da die Liquidität knapper wird und die Compliance-Kosten steigen.
Der Markt für alternative Finanzierungen bleibt jedoch zersplittert, mit den meisten Aktivitäten auf nationale Grenzen beschränkt. Eine stärkere Standardisierung könnte den Zugang zu Kapital in ganz Europa erleichtern, doch die Fortschritte sind langsam. Zwar kennen 76 Prozent der kapitalsuchenden Unternehmen standardisierte Dokumentationsverfahren für private Platzierungen – doch nur 25 Prozent setzen sie tatsächlich ein.
Der Wandel hin zu alternativen Finanzierungsformen vollzieht sich schrittweise, ist aber unübersehbar. Schon heute stammt fast ein Drittel der Unternehmensfinanzierung aus nicht-bankären Quellen, und die Nachfrage steigt. Gelingt es, die Standardisierungsbemühungen voranzutreiben, könnten private Platzierungen und andere Instrumente noch zugänglicher werden – und die Art und Weise, wie europäische Unternehmen an Kapital kommen, nachhaltig verändern.






