EZB hält 440 Unternehmensanleihen – doch fast die Hälfte ist hochriskant
Sigmund FreudenbergerEZB hält 440 Unternehmensanleihen – doch fast die Hälfte ist hochriskant
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich zu einem der größten Halter von Unternehmensanleihen weltweit entwickelt. Im Rahmen ihres Anleihenkaufprogramms besitzt sie mittlerweile 440 Anleihen von Unternehmen aus ganz Europa. Doch fast die Hälfte dieser Papiere birgt ein hohes Ausfallrisiko – und wirft die Frage auf, wer für Verluste aufkommt, falls die Firmen in Schieflage geraten.
Ziel des EZB-Programms ist es, die Finanzierung von Unternehmen zu erleichtern, indem Liquidität in die Märkte gepumpt wird. Voraussetzung für den Ankauf ist zwar eine Investmentgrade-Bewertung – doch die Notenbank kann sich dabei auf die beste Einstufung von vier Ratingagenturen stützen, selbst wenn andere das Papier als "Ramsch" einordnen. Diese Flexibilität hat es der EZB ermöglicht, auch riskantere Anleihen zu erwerben, darunter Papiere von Unternehmen wie Telecom Italia, EDP Finance oder Teollisuuden Voima.
Daten zeigen, dass 47 Prozent des EZB-Portfolios an Unternehmensanleihen nur ein B-Rating oder schlechter aufweisen. Solche Papiere bergen ein erhöhtes Ausfallrisiko – im Ernstfall könnten die Steuerzahler der Eurozone auf den Kosten sitzenbleiben, sollten die Schuldner pleitegehen. Kritiker werfen der Zentralbank vor, sie habe sich mit dieser Strategie de facto in einen Hedgefonds verwandelt und setze sich damit Marktrisiken aus, die eigentlich private Investoren tragen sollten.
Mit diesem Vorgehen steht die EZB nicht allein da. Gemeinsam mit der Bank von Japan zählt sie mittlerweile zu den größten Gläubigern der Welt – und verlagert damit die finanzielle Macht weg von traditionellen Zentren wie London oder New York. Beide Institutionen haben ihre Rolle längst über die klassische Geldpolitik hinaus ausgeweitet und greifen direkt in die Unternehmensfinanzierung ein.
Die Anleihenkäufe der EZB haben zwar den Zugang zu Krediten für angeschlagene Unternehmen erleichtert. Doch mit fast der Hälfte hochriskanter Papiere im Portfolio birgt die Politik langfristige Finanzrisiken. Steigen die Ausfallraten, trifft die Last nicht private Gläubiger – sondern die Bürger der Eurozone.






