Florentina Holzinger inszeniert ein radikales Pfingst-Spektakel zwischen Wien und Prinzendorf
Philip BinnerFlorentina Holzinger inszeniert ein radikales Pfingst-Spektakel zwischen Wien und Prinzendorf
Ein spektakuläres Pfingst-Spektakel eroberte vergangenes Wochenende Wien
Mit einer Mischung aus extremem Theater und kühnen visuellen Elementen setzte Florentina Holzinger, bekannt für ihr rein weibliches Ensemble, vergangenes Wochenende in Wien ein beeindruckendes Statement. Die Aufführung begann im Wiener Eislaufverein, bevor das Publikum nach Schloss Prinzendorf weiterzog – dem geistigen Zentrum von Hermann Nitschs Orgien-Mysterien-Theater. Die Produktion verband rohe Körperlichkeit mit moderner Technologie und hinterließ bei den Zuschauern einen bleibenden Eindruck.
Den Auftakt bildete eine nackte Frau, die an der Fassade des Intercontinental Hotels hinabstieg – eine Reminiszenz an Trisha Browns ikonische Choreografie. Holzinger trieb die Grenzen weiter aus, indem sie Autos, ein Motorrad und sogar einen Fallschirmsprung in das Spektakel integrierte. Später wurde das Publikum nach Schloss Prinzendorf gebracht, wo die Künstlerin mit einer „Malaktion“ an Nitschs Erbe anknüpfte: Eine gekreuzigte Performerin, umgeben von Drohnen.
Der Höhepunkt war ein dramatischer Moment, in dem ein Monstertruck einen Panzer zermalmte – ein kraftvolles Symbol für den Aufruf zum Frieden. Das Finale wechselte die Stimmung, als Holzinger und ihr Ensemble eine schwebende Parodie des „Letzten Abendmahls“ inszenierten, sanft in der Luft schwingend. Der Kontrast zwischen Chaos und Stille prägte einen der prägnantesten Momente der Show.
Anders als frühere Aktionskunst-Bewegungen verband Holzinger in ihrer Arbeit Technologie mit intensiver Körperlichkeit. Der Einsatz vielfältiger Materialien – von Fahrzeugen bis zu Drohnen – zeigte eine mutige Weiterentwicklung der Performance-Kunst.
Den Abschluss bildete ein unerwarteter Moment der Anmut, als Holzinger und ihr Ensemble über dem Publikum schwebten. Die Verbindung von Zerstörung und Schönheit unterstrich ihren einzigartigen theaterästhetischen Ansatz. Indem sie Nitschs Erbe mit zeitgenössischen Techniken verschmolz, festigte die Künstlerin ihren Ruf, Räume zu verwandeln und Erwartungen herauszufordern.






