18 March 2026, 06:18

Haus der Weltkulturen in Berlin kämpft nach Chefket-Eklat um seine Zukunft

Schwarzes und weißes Zeichnung des Reichshallen Theaters in Berlin, das das Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und einer Decke zeigt, mit Text unten.

Haus der Weltkulturen in Berlin kämpft nach Chefket-Eklat um seine Zukunft

Berlins Haus der Weltkulturen (HKW) steckt in der tiefsten Krise seiner Geschichte – ausgelöst durch die Absage eines Auftritts des Rappers Chefket im Jahr 2025. Die Entscheidung löste eine Welle von Protesten aus, bei der Vorwürfe von Antisemitismus, Mittelveruntreuung und politischer Einmischung die Arbeit der Institution überschatten. Währenddessen hat sich die gesamte deutsche Kunstszene hinter den Künstler gestellt und das HKW damit isoliert.

Der Streit begann, als der schwäbische Rapper Chefket für einen Auftritt 2025 im HKW gebucht wurde. An einem Jahrestag des Hamas-Angriffs auf Israel trug er ein "Palästina"-T-Shirt mit arabischer Kalligrafie, die grob die Umrisse der Grenzen Israels erkennen ließ. Kulturminister Wolfram Weimer griff ein und setzte das Haus unter Druck, die Veranstaltung abzusagen.

Die Folgen waren verheerend: Aus Solidarität mit Chefket sagten alle anderen deutschen Künstler ihre Auftritte im HKW ab. Das Goethe-Institut, das mit dem Rapper kooperiert hatte, musste sich Anfang 2026 einer Überprüfung seiner Fördergelder stellen. Solche Vorfälle häufen sich: 2024 führte ein Gedicht der Künstlerin Hengameh Yaghoobifarah zu Kürzungen der Zuschüsse, und 2025 wurde eine Veranstaltung der Boykottdemo am Berliner Maxim-Gorki-Theater nach Vorwürfen pro-palästinensischer Extremismus abgesetzt. Selbst Initiativen wie Schwarze Risse gerieten im Frühjahr 2026 wegen angeblich radikaler Ideologien unter Beschuss.

Das internationale Ansehen des HKW hat schwer gelitten. Noch vor Kurzem war das Haus eine Bühne für weltweite Künstler wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil – heute kämpft es um Relevanz. Auch die Nähe zum Kanzleramt brachte keine bundesweite Unterstützung. Kritiker führen zudem den 2023 berufenen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung an, dessen "postkoloniales" Programm in der deutschen Kulturelite auf Ablehnung stößt.

Der Satiriker Jan Böhmermann versuchte mit seiner Ausstellung Die Möglichkeit der Unvernunft auf die Notlage des HKW aufmerksam zu machen. Doch selbst sein Eingreifen konnte die Debatte nicht wenden, die längst über Chefket hinausgeht: Können deutsche Kultureinrichtungen politische Spannungen aushalten, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren?

Die Absage von Chefkets Auftritt hat das HKW in eine existenzbedrohende Lage gebracht. Ohne deutsche Künstler, die dort auftreten wollen, und mit gefährdeten Bundesmitteln ist seine Zukunft als kulturelle Leitinstitution ungewiss. Der Fall offenbart zudem tiefere Gräben in Fragen der Meinungsfreiheit, politischen Einflussnahme und der Rolle postkolonialer Perspektiven in der deutschen Kunstlandschaft.

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