08 May 2026, 00:25

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen in der Politik

Altes Buch mit dem Titel "Beobachtungen Historico-Politica in Instrumentum Pacis" aufgeklappt mit schwarzer Tinte geschriebenem Text umgeben von einem dekorativen Rahmen.

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen in der Politik

Der Historiker Horst Möller hat sich zu der häufigen Verwendung historischer Vergleiche in aktuellen politischen Debatten geäußert. Er warnt davor, dass Parallelziehungen zwischen vergangenen und gegenwärtigen Ereignissen oft den entscheidenden Kontext außer Acht lassen. Seine Stellungnahme erfolgt zu einer Zeit, in der Medien und öffentliche Persönlichkeiten zunehmend auf die Weimarer Republik, das nationalsozialistische Deutschland und andere historische Epochen verweisen, um heutige Krisen zu beschreiben.

Möller betont, dass historische Vergleiche erst gezogen werden sollten, wenn sich Ereignisse vollständig entfaltet haben. Sofortige Gegenüberstellungen bergen seiner Meinung nach die Gefahr, langfristige Folgen und die gesamte Komplexität vergangener Ereignisse zu ignorieren. So weist er etwa darauf hin, dass der Untergang der Weimarer Republik zwölf Jahre dauerte, während sich die Herausforderungen der Bundesrepublik über 76 Jahre entwickelt haben – mit einem allmählicheren Rückgang der Unterstützung für die Mitteparteien.

Kritisch äußert er sich auch zu selektiven Vergleichen, wie etwa dem Gleichsetzen von COVID-19-Protestlern mit Sophie Scholl oder von Putin mit Hitler. Solche Vergleiche, so Möller, isolierten einzelne Aspekte, ohne das größere historische Bild zu berücksichtigen. Historiker sollten stattdessen vollständige Ereignisse mit all ihren Entwicklungen analysieren, bevor sie Urteile fällen.

Zur AfD lehnt Möller die Bezeichnung als „faschistisch“ ab und argumentiert, der Partei fehle der für historische faschistische Bewegungen typische „Führerkult“. Zudem widerspricht er der Vorstellung eines „deutschen Sonderwegs“ in die Diktatur und verweist darauf, dass auch andere Demokratien in Krisenzeiten gescheitert seien – nicht nur die Weimarer Republik.

Auch Medien greifen immer wieder zu provokanten historischen Anspielungen. Der Spiegel zeigte Trump etwa als Kometen, der auf die Erde zurast und den abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue hält. Das Magazin Stern bildete ihn mit Hitlergruß unter der Schlagzeile „Sein Kampf“ ab – eine Anspielung auf Hitlers „Mein Kampf“.

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Möllers Äußerungen unterstreichen die Risiken einer vereinfachenden Instrumentalisierung der Geschichte für politische Kommentare. Er betont die Notwendigkeit einer sorgfältigen und umfassenden Analyse, bevor Parallelen gezogen werden. Seine Warnungen kommen zu einer Zeit, in der die Debatte über historische Vergleiche ein umstrittenes, aber prägendes Element des öffentlichen Diskurses bleibt.

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