Humboldt Forum: Zwischen kolonialem Erbe und kultureller Zukunftssuche
Cathleen HövelHumboldt Forum: Zwischen kolonialem Erbe und kultureller Zukunftssuche
Das Humboldt Forum in Berlin bleibt umstritten – zwischen kulturellen Ansprüchen und kolonialem Erbe
Das Humboldt Forum in Berlin löst weiterhin Debatten über seine Rolle und Identität aus. Kritiker werfen dem Bau vor, dass seine Architektur und die kolonialen Verstrickungen seine kulturellen Ambitionen überschatten. Dennoch stellt sich das Haus mit seinem Programm den drängenden globalen Fragen unserer Zeit.
Zwischen kahlen Treppenaufgängen und Betonfluren wirkt das Humboldt Forum kühl und distanziert. Viele aus der Kulturszene empfinden es als zu monumentale, zu sehr mit dem Kolonialismus verbunden und zu wenig Teil der Stadt. Lage und Gestaltung tragen dazu bei, dass Besucher dem Ort oft eine gewisse Kälte bescheinigen.
Finanziert wurde das Projekt von vermögenden, konservativen Spendern, die preußische Pracht im Herzen Berlins wiederaufleben lassen wollten. Unter der kuppelgekrönten Dachkonstruktion teilen sich heute das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst den Raum. Zwar gibt die offizielle Besucherstatistik jährlich rund 3,3 Millionen an – doch dazu zählen auch viele, die nur für ein Foto im Innenhof vorbeischauen. Die tatsächliche Zahl der Ausstellungbesucher lag im vergangenen Jahr bei etwa 634.000 – weit entfernt von den Besucherzahlen des Louvre.
Gelobt wird dagegen das kulturelle Programm des Forums, das sich mit brennenden Themen wie dem Schwinden demokratischer Strukturen, globaler Ungerechtigkeit und Bedrohungen der künstlerischen Freiheit auseinandersetzt. Zudem hat es die Debatte über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt in den öffentlichen Diskurs gerückt. Dennoch bleibt das Publikum überwiegend touristisch geprägt – trotz der hohen Qualität der Veranstaltungen.
Mit ihrer jüngsten Performance to build to bury to remember hinterfragte die Künstlerin Sarah Ama Duah koloniale Perspektiven, indem sie Objekte als lebendige, autonome Wesen inszenierte. Solche Arbeiten spiegeln den Versuch des Forums wider, sich mit komplexen historischen Erzählungen kritisch auseinanderzusetzen.
Das Humboldt Forum bleibt ein Ort der Widersprüche: Es zieht Menschenmassen an, kann sich aber nicht von seinem kolonialen Erbe befreien. Sein kultureller Einfluss ist unbestritten – doch welche Rolle es künftig im Berliner Stadtbild spielen wird, ist noch offen.
