Instagram verändert die Oper: Kunst oder Kommerz in europäischen Häusern?
Cathleen HövelInstagram verändert die Oper: Kunst oder Kommerz in europäischen Häusern?
Europäische Opernhäuser setzen zunehmend auf Instagram – doch oft auf Kosten der Kunst
Führende Opernhäuser in ganz Europa entdecken vermehrt Instagram als Marketingplattform. Doch statt die Kunstform in den Mittelpunkt zu stellen, dominieren oft Lifestyle- und Unterhaltungselemente. Diese Entwicklung löst Debatten darüber aus, wie klassische Institutionen sich im Netz präsentieren sollten.
Die Bayerische Staatsoper verfolgt dabei einen traditionelleren Ansatz. Auf ihrem Instagram-Kanal gibt es Gespräche zwischen Künstlern und Dirigenten wie Wladimir Jurowski und Tobias Kratzer, die sich mit Wagners Philosophie und orchestralen Ideen auseinandersetzen. Auch Holger Noltze ist zu sehen – mit analytischen, wenn auch teils veralteten Inhaltsaufbereitungen.
Ganz anders präsentiert sich die Staatsoper Berlin: Hier stehen Sponsoren wie BMW im Fokus, während künstlerische Tiefe zugunsten einer beruhigenden, markenorientierten Selbstdarstellung in den Hintergrund rückt. Die Wiener Staatsoper wiederum inszeniert ihr Haus auf Instagram – moderiert von Hemma und Jakob – als gesellschaftlichen Treffpunkt. In Tutorials wird erklärt, wie man in der Pause Buffet bestellt, und es gibt Belehrungen über grundlegende Benimmregeln – oft in einem leicht bevormundenden Ton.
Auch andere Häuser setzen auf diesen Lifestyle-Fokus. Die Festspielhaus Baden-Baden wirbt mit „Klassik und Spritz“ und gibt sich betont hip. Junge Influencer, die mit Opernhäusern kooperieren, bewerben Drinks, Dresscodes und „Überlebenstipps“ – die Oper wird so zur bloßen Unterhaltung reduziert. Bei Opera Bert oder Jonathan Tetelman stehen persönliche Reaktionen und Prioritäten im Vordergrund, nicht musikalische Einsichten.
Der Trend zeigt: Opernhäuser setzen auf leicht zugängliche, oft oberflächliche Inhalte – auf Kosten der künstlerischen Substanz. Ihre Social-Media-Strategien zielen zwar auf ein jüngeres Publikum, riskieren aber eine Verflachung der Kunstform. Die Bayerische Staatsoper bleibt eine der wenigen Institutionen, die nach wie vor Musik und intellektuelle Auseinandersetzung in den Mittelpunkt stellt.
