Mercedes-Benz strebt längere Arbeitszeiten an – Gewerkschaften widersetzen sich
Sigmund FreudenbergerMercedes-Benz strebt längere Arbeitszeiten an – Gewerkschaften widersetzen sich
Mercedes-Benz gerät zunehmend unter Druck, die Arbeitszeiten seiner deutschen Belegschaft auszuweiten, um die Personalkosten zu senken. Die aktuelle 35-Stunden-Woche des Konzerns steht dabei im Fokus der Unternehmensführung, stößt bei den Gewerkschaftsvertretern jedoch auf scharfen Widerstand. Zwar laufen interne Gespräche, formelle Verhandlungen über mögliche Änderungen wurden bisher aber noch nicht aufgenommen.
Martin Brudermüller, Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, hatte kürzlich eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche gefordert. Diese sei notwendig, um die deutschen Standorte von Mercedes-Benz im internationalen Wettbewerb wieder wettbewerbsfähiger zu machen, so seine Begründung. Die aktuellen Arbeitskosten in Deutschland lägen deutlich über dem internationalen Niveau.
Ergun Lümali, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Mercedes-Benz, lehnte den Vorstoß entschieden ab. Eine Ausweitung der Arbeitszeit ohne zusätzliche Bezahlung löse nicht das Problem der unterausgelasteten Werke, betonte er. Zudem verwies Lümali darauf, dass Tarifverhandlungen zu Löhnen und Arbeitszeiten in die Zuständigkeit der IG Metall und der Arbeitgeberverbände fielen – direkte Gespräche auf Unternehmensebene seien daher derzeit nicht möglich.
Trotz der kontroversen Debatte sucht der Konzern weiterhin nach Wegen, die Effizienz zu steigern. Zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern finden intensive Abstimmungen statt, konkrete Pläne zur Abschaffung der 35-Stunden-Woche gibt es jedoch bisher nicht.
Der Konflikt zeigt die Spannung zwischen Kostensenkungsmaßnahmen und Arbeitnehmerrechten. Mercedes-Benz steht vor der Herausforderung, Wettbewerbsfähigkeit und faire Arbeitsbedingungen in Einklang zu bringen. Vorerst bleibt die 35-Stunden-Woche bestehen – doch die Diskussion darüber wird voraussichtlich anhalten.
