Neuer Roman bringt den armenischen Völkermord in deutsche Klassenzimmer
Philip BinnerNeuer Roman bringt den armenischen Völkermord in deutsche Klassenzimmer
In diesem Jahr jährt sich der Völkermord an den Armeniern zum 111. Mal. Zwischen 1915 und 1916 wurden im Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Armenier ermordet. Trotz der eigenen Verstrickung Deutschlands bleibt das Thema in vielen Klassenzimmern weitgehend ausgeklammert.
2016 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, die forderte, den Völkermord an den Armeniern in die Lehrpläne aufzunehmen. Doch oft wird das Thema im Unterricht übergangen – wegen überfüllter Stundenpläne, Zeitmangels und fehlender geeigneter Materialien.
Nun soll ein neu erschienener Roman das Thema in die Klassenzimmer bringen. Der Reclam Verlag veröffentlichte im März Laura Cwiertnias Auf der Straße haben wir andere Namen als Pflichtlektüre für Schülerinnen und Schüler. Das Buch setzt sich mit den Themen Völkermord, Überleben und Diskriminierung auseinander und bietet jungen Leserinnen und Lesern einen emotionalen Zugang zu der Thematik.
Die Literaturwissenschaftlerin und Pädagogin Swantje Ehlers steuerte ein Nachwort und historischen Kontext zum Roman bei. Sie argumentiert, dass Literatur Schülerinnen und Schülern helfen kann, sich mit schwierigen Themen wie dem Völkermord von 1915 auseinanderzusetzen. Die Schwerpunkte des Buches – Identität, Konflikt und Migration – knüpfen zudem an weitere Diskussionen über Geschichte und Menschenrechte an.
Obwohl die Resolution von 2016 die Behandlung des armenischen Völkermords im Unterricht vorschreibt, tun sich viele Schulen damit nach wie vor schwer. Mit der Aufnahme des Romans in die Pflichtlektüre haben Lehrkräfte nun ein neues Werkzeug, um das Thema zu behandeln. Die Veröffentlichung des Buches könnte dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler über einen Völkermord lernen, an dem auch Deutschland beteiligt war.






