Olympia-Debatte in Hamburgs Schulen: Warum die Lehrmaterialien in der Kritik stehen
Cathleen HövelOlympia-Debatte in Hamburgs Schulen: Warum die Lehrmaterialien in der Kritik stehen
Hamburgs Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 entfacht Debatten an Schulen
Der Vorstoß der Hansestadt, sich um die Austragung der Olympischen Spiele 2024 zu bewerben, sorgt in den lokalen Schulen für Diskussionen. Die Senatskoalition möchte das Thema im Unterricht behandeln lassen, doch die bereitgestellten Lehrmaterialien stoßen auf Kritik. Gegner werfen den Unterlagen vor, sie würden die Vor- und Nachteile der Bewerbung nicht ausgewogen darstellen.
Die Innenbehörde hat pro-olympische Materialien an die Schulen verschickt, die sich vor allem an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 bis 13 richten. Für jüngere Jahrgänge verweisen die Unterlagen lediglich auf Websites, die die Bewerbung unterstützen. Ältere Schüler erhalten Materialien, in denen die oppositionelle Gruppe NOlympia – die Hauptgegnerin der Bewerbung – mit keinem Wort erwähnt wird.
Kritiker argumentieren, dass diese Unterlagen gegen den Beutelsbacher Konsens verstoßen, ein Regelwerk für die politische Bildung. Dem Konsens zufolge müssen Lehrkräfte eigene Standpunkte vermeiden, kontroverse Themen als solche kennzeichnen und Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, sich selbstständig eine Meinung zu bilden. Die aktuellen Materialien gehen weder auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein noch beziehen sie gegensätzliche Positionen mit ein.
Die Initiative NOlympia, die sich gegen die Bewerbung stellt, reichte am 21. Februar 19.423 Unterschriften beim Landeswahlleiter ein – fast doppelt so viele wie erforderlich. Der Senat bestätigte am 17. März mindestens 10.000 gültige Unterschriften. Sprecher Eckart Maudrich warf der Bildungsbehörde vor, sie gewähre den Olympia-Befürwortern direkten Zugang zu den Lehrkräften.
Die Schulbehörde verteidigt die Materialien mit dem Hinweis, sie ermöglichten den Schülerinnen und Schülern, sich eine eigene Meinung zu bilden. Kritiker halten jedoch dagegen, dass das Fehlen gegensätzlicher Standpunkte diese Behauptung untergräbt.
Der Streit zeigt, wie umstritten die Vermittlung von Hamburgs Olympia-Bewerbung an Schulen ist. Da der Volksentscheid von NOlympia nun als zulässig anerkannt wurde, muss der Senat entscheiden, ob die Lehrmaterialien überarbeitet werden. Das Ergebnis könnte prägen, wie die Schulen der Stadt künftig mit politischen Diskussionen umgehen.






