RAW-Gelände in Berlin: Kulturschatz zwischen Schließung und Investorenstreit
Philip BinnerRAW-Gelände in Berlin: Kulturschatz zwischen Schließung und Investorenstreit
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines bedeutenden Kulturzentrums, steht auf dem Spiel. Diese Woche versammelten sich Demonstranten am Kurfürstendamm und skandierten „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“, um gegen die drohende Schließung zu protestieren. Das einstige Reichsbahn-Ausbesserungswerk beherbergt heute Clubs, Bars und kreative Räume – doch seine Existenz ist gefährdet.
Das RAW-Gelände blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ursprünglich als Wartungsdepot der Reichsbahn genutzt, wurde es nach dem Mauerfall aufgegeben. Heute finden sich dort Konzertlocations, ein Biergarten, eine Skatehalle, eine Kletterhalle, Lagerhallen, ein Weihnachtsmarkt und ein Flohmarkt.
Mitte Mai legten Senat und Bezirk einen Rahmenvertrag für die Zukunft des Geländes vor – doch die Kurth-Gruppe, Eigentümerin des Areals, lehnte den Plan ab. Streitpunkt ist, wie viele Wohnungen gebaut und wie viele historische Hallen erhalten bleiben sollen.
Schon im Januar hatte die Kurth-Gruppe beschleunigte Baugenehmigungen für Wohnungsbau gefordert. Seither erhielten einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, Kündigungen. Der Club könnte bereits nächste Woche räumen müssen, andere Einrichtungen stehen vor ähnlichen Problemen.
Die Veranstalter der Proteste warnen, dass der kulturelle Wert des RAW-Geländes auf dem Spiel stehe. Der Konflikt zwischen Investoren, Senat und Bezirk bleibt ungelöst. Ohne Einigung drohen weitere Kündigungen – und eine unwiderrufliche Veränderung des Charakters dieses einzigartigen Ortes.
