"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied keine düstere Vergangenheit hat
Sigmund Freudenberger"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied keine düstere Vergangenheit hat
„Ringel, Ringel, Reihe“ ist bis heute ein beliebter Kinderspielvers. Kinder singen noch immer die vertrauten Zeilen, doch über die Herkunft des Liedes wird seit langem diskutiert. Manche behaupten, es beziehe sich auf eine historische Tragödie – doch Fachleute widersprechen dieser Deutung.
Erstmals schriftlich belegt wurde das Lied 1881 im englischen Sprachraum. Diese späte Veröffentlichung macht einen Bezug zur Großen Pest von 1665 unwahrscheinlich. Historiker weisen die Pest-Theorie als haltlose Volkslegende zurück.
Wahrscheinlicher ist, dass der Vers als Kinderspiel im Deutschland des 18. Jahrhunderts entstand. Möglicherweise gibt es auch Verbindungen zu den amerikanischen „Play Parties“ des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts – geselligen Treffen, bei denen junge Menschen trotz religiöser Tanzverbote gemeinsam musizieren und sich bewegen konnten.
Da es zahlreiche Textvarianten gibt, bleibt die Herkunft unklar. Manche Forscher vermuten, dass das Lied schlicht dem Vergnügen diente und keine versteckte Bedeutung trägt. Sein fröhlicher Klang spricht dafür, dass es von Anfang an als unbeschwertes Spiel gedacht war.
Die heute vorherrschende Meinung geht davon aus, dass der Vers keine düstere Vergangenheit hat. Vielmehr handelt es sich wohl um ein harmloses Kinderspiel – und der Mangel an historischen Belegen stützt diese schlichte Erklärung.






