Ruhrgebiet feiert Neuanfänge: Kultur, Fußball und berührende Geschichten
Cathleen HövelRuhrgebiet feiert Neuanfänge: Kultur, Fußball und berührende Geschichten
Eine neue Kultursaison startet mit frischem Führungspersonal und kreativen Projekten im Ruhrgebiet
In Bochum übernimmt Thorsten Bihegue die Leitung des Jungen Schauspielhauses, während eine berührende Fotoserie eines bulgarischen Fotografen über Vater-Sohn-Beziehungen kurz vor der Veröffentlichung steht. Gleichzeitig feiert ein lokaler Hobbyfußballverein sein 20-jähriges Bestehen, und eine ehemalige Obdachlose bezieht nach langem Warten endlich eine eigene Wohnung.
Thorsten Bihegue hat seine erste Spielzeit als Leiter des Jungen Schauspielhauses in Bochum begonnen. Sein Ansatz setzt auf radikale Mitbestimmung und die Förderung von Eigeninitiative und Neugier im Team. Die Neuausrichtung folgt auf den Abschied von Cathrin Rose, die die Position zuvor innehatte.
Unterdessen hat der bulgarische Fotograf Valery Poshtarov jahrelang durch Europa gereist, um seine Serie Väter und Söhne zu realisieren. Die Aufnahmen zeigen Väter und erwachsene Söhne, die sich an den Händen halten, und thematisieren Männlichkeit, generationenübergreifende Bindungen und kulturelle Unterschiede. Seine Arbeiten erinnern an Fotografen wie Josef Koudelka, der ebenfalls den Wandel von Familienstrukturen und männlicher Identität im modernen Europa dokumentiert. Die Bilder offenbaren sowohl innige Beziehungen als auch Spannungen und verdeutlichen, wie emotionaler Austausch in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich gelebt wird. Eine Sonderausgabe des Magazins bodo, inspiriert von Poshtarovs Serie, erscheint am 1. Oktober unter dem Titel Väter-und-Söhne.
In Castrop-Rauxel hält ein Hobbyfußballteam seit über 20 Jahren an seiner Tradition wöchentlicher Spiele fest. Zu den Akteuren zählen technisch versierte Spieler wie der Podcast-Moderator und TV-Präsentator Micky Beisenherz. Ihre langjährige Kameradschaft spiegelt den Gemeinschaftsgeist der Region wider.
Die Eröffnung der Ruhrtriennale führte die Sängerin und Schauspielerin Larissa Sirah Herlen, bekannt als Lary, in ihre Heimatstadt Gelsenkirchen zurück. Für die Künstlerin, die zum Festivalprogramm beitrug, war der Auftritt eine Art Heimkehr. Unterdessen hat Birgit, die fast vier Jahre ohne festen Wohnsitz lebte, nach langer Suche endlich eine eigene Wohnung gefunden.
Seit sechs Jahren organisiert Thomas Koch Veranstaltungen, die den Dialog und das gegenseitige Verständnis fördern. Seine Reihe bringt Menschen zusammen, um zuzuhören und Perspektiven auszutauschen – und stärkt so die Verbindungen in der Region. Ein weiteres kulturelles Highlight ist die Ausstellung und das Buch DortmUnderground 1978–1998, die zwei turbulente Jahrzehnte der Dortmunder Musikszene revisitieren und deren rebellischen Spirit sowie kreatives Erbe würdigen.
Die Region erlebt einen Mix aus Neuanfängen und bewährten Traditionen. Bihegues Führung im Jungen Schauspielhaus bringt eine kollaborative Vision mit sich, während Poshtarovs Fotografie einen berührenden Einblick in familiäre Dynamiken bietet. Von langjährigen Fußballmannschaften bis hin zu einer hart erkämpften Wohnstabilität – diese Geschichten zeigen die Widerstandsfähigkeit und kulturelle Tiefe des Ruhrgebiets. Die anstehende bodo-Ausgabe und das DortmUnderground-Projekt werden die künstlerische und gesellschaftliche Entwicklung der Region weiter in den Fokus rücken.






