03 April 2026, 06:18

Wie ARD und ZDF mit persönlichem Storytelling junge Zuschauer zurückgewinnen

Titelseite der deutschen Zeitung 'Weitpreubliche Zeitung' vom 13. November 1939, die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung zeigt.

Wie ARD und ZDF mit persönlichem Storytelling junge Zuschauer zurückgewinnen

ARD und ZDF setzen auf neue Wege, um junge Zuschauer zu erreichen

Die öffentlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF verändern ihre Strategie, um jüngere Zielgruppen anzusprechen. Neue Reportageformate, die auf persönliches Storytelling setzen, erleben einen rasanten Popularitätsschub. Diese Sendungen legen mehr Wert auf emotionale Ansprache als auf die traditionelle journalistische Neutralität.

Der Wandel hat zu höheren Einschaltquoten und einem größeren Publikum geführt. Dennoch gibt es Bedenken, ob die starke Betonung der Reporterperspektive nicht die eigentlichen Geschichten in den Hintergrund drängt.

Fünf Formate stechen in diesem Trend besonders hervor: VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front und PULS Reportage. Alle setzen auf eine ich-bezogene Erzählweise, bei der die Reporter:innen im Mittelpunkt der Handlung stehen. Dieser Stil kommt vor allem bei jüngeren Zuschauer:innen gut an, die das Storytelling als authentischer und nahbarer empfinden als klassische Nachrichten.

Ein Erfolgsbeispiel ist Terra Xplore, das im Mai 2021 startete und später zu einem Reportageformat ausgebaut wurde. Bis 2023 verzeichneten die Videos in der ZDFmediathek über 30 Millionen Aufrufe – ein fünffacher Anstieg im Vergleich zu 6,34 Millionen im Jahr 2010. Auf YouTube erreichte das Format 175 Millionen Klicks, während die TV-Ausstrahlungen im Schnitt 3,55 Millionen Zuschauer:innen verfolgten und einen Marktanteil von 14,8 % erzielten. Mehr als 70 % der potenziellen Zuschauer:innen ab drei Jahren schalteten mindestens eine Minute lang ein.

Doch der Aufstieg dieser Formate verläuft nicht ohne Herausforderungen. Manche kämpfen damit, ein eigenständiges Profil zu entwickeln oder tiefgründige investigative Arbeit zu liefern. Wenn die Perspektive der Reporter:innen zu dominant wird, gerät das eigentliche Thema leicht aus dem Fokus. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass junge Zuschauer:innen die wachsende Zahl ähnlicher "ich-zentrierter" Formate allmählich überdrüssig werden.

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Die öffentlichen Sender stehen nun vor einer Gratwanderung: Sie müssen die Authentizität bewahren, die das Publikum anzieht, ohne journalistische Standards zu vernachlässigen. Die Frage bleibt, ob diese persönlich geprägten Erzählformen über den eigenen Blickwinkel hinauswachsen und sich auf die Geschichten konzentrieren können, die wirklich zählen.

Die neuen Reportageformate haben zweifellos die Bindung junger Zuschauer:innen gestärkt. Ihr Erfolg in Quoten und Reichweite zeigt einen klaren Wandel in den Sehgewohnheiten. Für eine nachhaltige Wirkung müssen die Sender jedoch sicherstellen, dass diese Formate neben der persönlichen Note auch inhaltliche Tiefe bieten.

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