10 May 2026, 20:16

Wie der Flaggenstreit der 1920er Deutschland in zwei Lager spaltete

Deutsche Flagge über Text auf einem Plakat.

Wie der Flaggenstreit der 1920er Deutschland in zwei Lager spaltete

Flaggenstreit spaltet Deutschland in den 1920er-Jahren

In den mittleren 1920er-Jahren erreichte der deutsche Flaggenstreit einen Höhepunkt und trennte die Nation entlang politischer Gräben. Im Mittelpunkt des Konflikts standen zwei konkurrierende Farbkombinationen: die kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot und die republikanischen Farben Schwarz-Rot-Gold. Bis 1926 war die Auseinandersetzung so zermürbend geworden, dass selbst das Präsidentenamt eingreifen musste.

Die Krise verschärfte sich nach der Reichspräsidentenwahl 1925, als Anhänger der beiden Flaggenvarianten gegnerische Lager bildeten. Der rechtsextreme „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“ geriet in Konflikt mit dem „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“, der von linken und bürgerlichen Parteien unterstützt wurde. Die Spannungen nahmen weiter zu, als die Deutsche Volkspartei (DVP) im März 1926 offiziell die Rückkehr zu den alten kaiserlichen Farben forderte.

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Reichspräsident Paul von Hindenburg, beraten vom überparteilichen Reichskanzler Hans Luther, versuchte, den Streit zu entschärfen. Am 5. Mai 1926 erließ er die Zweite Flaggenverordnung – einen Kompromiss, der Schwarz-Rot-Gold zur Nationalflagge erklärte, der Handelsflagge jedoch beide Farbvarianten gestattete. Zudem wurden deutsche Auslandsvertretungen verpflichtet, beide Versionen zu hissen.

Versuche, die Symbolik zu vereinen, waren zuvor gescheitert. Der Reichskunstwart Edwin Redslob hatte den Auftrag erhalten, eine einheitliche Reichsflagge zu entwerfen, doch es gelang ihm nicht, die Gräben zu überbrücken. Hindenburg versuchte später, mit einem offenen Brief vom 9. Mai die Gemüter zu beruhigen und eine verfassungsgemäße Lösung anzumahnen. Doch der Streit schwelte weiter und legte tiefere politische Brüche in der Weimarer Republik offen.

Die Flaggenverordnung von 1926 konnte den zugrundeliegenden Konflikt kaum beilegen. Diplomatische Vertretungen hissten weiterhin zwei Flaggen, und die Rivalität zwischen kaiserlichen und republikanischen Symbolen blieb bestehen. Die Episode spiegelte die größeren Identitätskämpfe wider, die das Deutschland der Weimarer Jahre prägten.

Quelle