Apothekerin wehrt sich gegen 25.000-Euro-Doppelforderung nach Betrug mit gefälschten Merck-Rechnungen
Ronald KramerApothekerin wehrt sich gegen 25.000-Euro-Doppelforderung nach Betrug mit gefälschten Merck-Rechnungen
Carolin Schleußinger, Inhaberin der Marien-Apotheke in Roding, soll zum zweiten Mal eine Rechnung über 25.000 Euro begleichen – nach einem Betrug mit gefälschten Rechnungen. Die gefälschte Zahlungsaufforderung, getarnt als legitime Forderung des Pharmakonzerns Merck, lässt sie nun um die Verantwortung streiten. Diesmal verweigert sie die Zahlung mit dem Argument, dass nicht ihr Betrieb, sondern die kompromittierten Systeme von Merck schuld an dem Schaden seien.
Der Fall begann, als Schleußinger eine Rechnung mit geänderten Bankdaten erhielt – darunter ein neues Konto und eine spanische Adresse. Nach einer scheinbaren Prüfung der Angaben überwies sie den Betrag, ohne zu ahnen, dass es sich um Betrug handelte. Erst später forderte Merck eine zweite Zahlung für dieselbe Rechnung, da die erste an Kriminelle gegangen sei.
Merck bestätigte inzwischen, dass Apotheken in ganz Deutschland Ziel von Cyberangriffen werden, bei denen Rechnungsdaten manipuliert werden. Das Unternehmen platzierte eine Warnung auf der Startseite seines Online-Shops und rief Unternehmen dazu auf, Bankverbindungen vor Überweisungen genau zu prüfen. Auch Schleußinger wurde mitgeteilt, dass sie Opfer eines Betrugs geworden sei, und man riet ihr, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.
Schleußinger hat inzwischen rechtliche Schritte eingeleitet: Sie erstattete Strafanzeige und beantragte eine juristische Überprüfung des Falls. Sie wirft Merck vor, die Schwere des Datenlecks herunterzuspielen und kritisiert mangelnde Transparenz. Ihre Position bleibt klar: Da der Hack von den Systemen des Konzerns ausging, dürfe sie nicht ein zweites Mal für den finanziellen Schaden aufkommen.
Der Fall zeigt einen besorgniserregenden Trend: Immer häufiger werden Apotheken mit gefälschten Rechnungen konfrontiert. Merck räumt ein, dass die Cyberangriffe eine anhaltende Bedrohung darstellen. Schleußingers Weigerung, die Doppelforderung zu begleichen, könnte zu einem Rechtsstreit über die Haftungsfrage führen. Bis dahin fordert sie weiterhin Konsequenzen – und warnt andere Unternehmen, Zahlungsaufforderungen noch genauer unter die Lupe zu nehmen.






