27 March 2026, 04:23

Bahn-Streit eskaliert: GDL droht mit Streiks – Tariffähigkeit in Gefahr

Ein Venn-Diagramm mit zwei überlappenden Kreisen, die mit "Tarifverhandlungen" und "Konfliktfrei" beschriftet sind und durch eine dünne Linie verbunden sind, mit der Beschriftung "Tarifverhandlungen Konfliktfrei" in der Mitte.

Bahn-Streit eskaliert: GDL droht mit Streiks – Tariffähigkeit in Gefahr

Ein Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ist eskaliert. Der Arbeitgeberverband der Deutschen-Bahn-Unternehmen (AGV MOVE) hat die Gewerkschaft verklagt und stellt deren Tariffähigkeit infrage. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die von der GDL gegründete Personalgenossenschaft FairTrain, die die Einstellungspraxis im Schienenverkehr grundlegend verändert hat.

Drohen nun weitere Streiks, könnten bereits ab nächster Woche erste Behinderungen im Bahnverkehr auftreten, falls keine Einigung erzielt wird.

Der Konflikt entzündete sich an der Gründung von FairTrain, einer Genossenschaft, die Lokomotivführern bessere Bezahlung und flexiblere Arbeitsbedingungen bietet. Im Rahmen dieses Modells verlassen Fahrer die Deutsche Bahn, werden aber über die Genossenschaft zu verbesserten Konditionen zurück an das Unternehmen vermietet. Zudem verhandelte die GDL mit FairTrain einen separaten Tarifvertrag aus, was die Attraktivität für die Beschäftigten weiter steigert.

Die Deutsche Bahn reagierte mit einer Anpassung ihrer Rekrutierungsstrategie: Seit 2023 wirbt das Unternehmen gezielt Fahrer im Ausland an und ging Kooperationen mit Ausbildungsträgern ein, um die durch FairTrain entstandenen Lücken zu schließen. Die GDL jedoch fordert weiterhin höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten für Schichtkräfte im gesamten Netz.

AGV MOVE hat nun beim Hessischen Landesarbeitsgericht Klage eingereicht. Der Verband argumentiert, die GDL erfülle nicht mehr die Voraussetzungen einer unabhängigen Gewerkschaft, da sie gleichzeitig als Arbeitnehmervertreterin und – durch FairTrain – als Arbeitgeberin agiere. Die engen personellen Verflechtungen zwischen Gewerkschaftsführung und Genossenschaft werfen zudem Fragen nach Interessenkonflikten auf.

Das Gericht wird nun entscheiden, ob die GDL ihre Tariffähigkeit nach Arbeitsrecht behält. Gegen das Urteil kann vor dem Bundesarbeitsgericht Berufung eingelegt werden.

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Da keine schnelle Lösung in Sicht ist, hat die GDL mit längerfristigen Arbeitsniederlegungen gedroht. Als erste Region wird das Bergische Land voraussichtlich von Ausfällen betroffen sein; weitere Streiks könnten bereits nächste Woche folgen.

Die Entscheidung des Hessischen Landesarbeitsgerichts wird darüber bestimmen, ob die GDL künftig weiterhin Tarifverhandlungen für Lokomotivführer führen darf. Ein negatives Urteil könnte weitreichende Änderungen in der Tarifpolitik der Deutschen Bahn erzwingen.

Solange der Streit andauert, müssen sich Fahrgäste auf mögliche Verspätungen einstellen. Das Ergebnis des Verfahrens könnte zudem Signalwirkung für andere Gewerkschaften haben und beeinflussen, wie diese künftig ihre Beziehungen zu Arbeitgebern gestalten.

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