Chaillons La Parabole du Seum provoziert mit Körperpolitik und Diätkultur-Debatte
Cathleen HövelChaillons La Parabole du Seum provoziert mit Körperpolitik und Diätkultur-Debatte
Regisseurin Rébecca Chaillon präsentiert mit La Parabole du Seum ein provokantes neues Bühnenwerk in Frankreich. Die Inszenierung interpretiert die Castingshow The Biggest Loser neu und verwebt dabei Motive aus Octavia Butlers Roman Parabel des Sämanns. Der Titel spielt mit den französischen Begriffen für „Gleichnis“, „Satellitenschüssel“ und „Wut“.
Das Stück knüpft an Chaillons markante Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Identität an. Inspiriert ist es zudem vom Leben einer Popikone und einer Astrophysikerin, die – wie die Regisseurin selbst – aus einem stigmatisierten Banlieue stammen. Über fast drei Stunden oszilliert die Aufführung zwischen berührenden, atemberaubenden und mitunter zähen Momenten.
Die Performerin Julie Teuf verteilt Butter an das Publikum, lädt zum Kosten ein und verlost einen Preis: Lebensmittel im Wert eines Zehntels des Körpergewichts eines Teilnehmers – eine Anspielung auf die Besessenheit der Inszenierung von Maßen und Gewichten. Die Darsteller:innen entschuldigen sich für ihre als aufrührerisch empfundenen Körper und teilen intime Geständnisse über frühere Kämpfe mit dem eigenen Körperbild.
La Parabole du Seum taucht tief in die Realitäten dicker Körper und Identitäten ein, stürzt sich dabei in groteske Absurdität und spiegelt so die Extreme der Diätkultur wider – zugleich eine scharfe Abrechnung mit gesellschaftlichen Haltungen.
Die Performance stellt Wahrnehmungen von Gewicht, Glauben und Selbstwert infrage. Sie hinterlässt das Publikum zwischen Befremden und Nachdenklichkeit. Verlosung und Beichten unterstreichen den schonungslosen Blick auf die Politik des Körpers.






