Europas Rechenzentren kämpfen mit Energiehunger – doch eine radikale Kühltechnik bleibt ungenutzt
Philip BinnerEuropas Rechenzentren kämpfen mit Energiehunger – doch eine radikale Kühltechnik bleibt ungenutzt
Rechenzentren in ganz Europa stehen unter wachsendem Druck, ihren Energieverbrauch zu senken, während die Nachfrage nach Rechenleistung rasant steigt. Neue EU-Vorschriften verpflichten Betreiber nun, jährlich Umwelt- und Energiekennzahlen offenzulegen, während Deutschland strenge Effizienzziele vorgegeben hat. Da sich der Stromverbrauch in den nächsten drei Jahren voraussichtlich verdoppeln wird, sucht die Branche nach nachhaltigen Lösungen.
Eine vielversprechende, aber kaum genutzte Technologie – die zweiphasige Immersionkühlung (2-PIC) – könnte den Energie- und Wasserverbrauch um bis zu 90 Prozent reduzieren. Doch trotz dieses Potenzials hat bisher kein großes europäisches Unternehmen die Methode in Deutschland oder anderswo in der EU im großen Stil eingeführt.
Der Boom von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen hat die Nachfrage nach Rechenkapazitäten in die Höhe schnellen lassen. Allein in Deutschland wird der Energiebedarf von Servern zwischen 2015 und 2025 voraussichtlich um über 60 Prozent steigen. Bis 2026 könnten Rechenzentren ein Drittel des gesamten irischen Stromverbrauchs verschlingen – ein Trend, der sich in ganz Europa abzeichnet.
Die meisten Anlagen setzen noch immer auf Luft- und Wasserkühlung, die etwa 40 Prozent der Gesamtenergie verschlingt. Die zweiphasige Immersionkühlung bietet hier eine radikale Alternative: Server werden in eine spezielle Flüssigkeit getaucht, die beim Verdampfen Wärme aufnimmt und anschließend wieder kondensiert. Diese Methode kann den Platzbedarf eines Rechenzentrums um bis zu 60 Prozent verringern und gleichzeitig den Energie- und Wasserverbrauch für die Kühlung um 90 Prozent senken. Bei flächendeckender Einführung könnte sie bis 2055 weltweit 340 Terawattstunden einsparen.
Doch die Technologie steht vor Hindernissen. Die verwendeten Kühlflüssigkeiten basieren oft auf fluorierten Gasen (F-Gase), die die EU wegen ihrer Umweltbelastung schrittweise verbietet. Trotz ihrer Vorteile hat kein europäisches Unternehmen bisher öffentlich Pilotprojekte oder kommerzielle Einsätze von 2-PIC in Deutschland oder anderen EU-Ländern gestartet.
Die Vorschriften werden durch die EU-Energieeffizienzrichtlinie verschärft, die Betreiber zur jährlichen Offenlegung von Kennzahlen verpflichtet. Das deutsche Energieeffizienzgesetz geht noch weiter und setzt ehrgeizige Ziele für die Nachhaltigkeit von Rechenzentren. Dennoch setzen 95 Prozent der Anlagen weiterhin auf herkömmliche Kühlmethoden – der Umstieg auf grünere Alternativen vollzieht sich nur zögerlich.
Die Branche steht an einem Scheideweg: Während der Energiebedarf steigt und die Regulierung strenger wird, könnte die zweiphasige Immersionkühlung den Ressourcenverbrauch drastisch senken. Doch ihre Verbreitung wird durch Bedenken hinsichtlich der Kühlflüssigkeiten gebremst. Ohne groß angelegte Pilotprojekte in Europa bleibt das Potenzial der Technologie weitgehend ungenutzt – obwohl der Kontinent gleichzeitig um die Erfüllung seiner Effizienzziele ringt.






