Glasfaserausbau in Deutschland: Warum offene Netze jetzt an Tempo gewinnen
Ronald KramerGlasfaserausbau in Deutschland: Warum offene Netze jetzt an Tempo gewinnen
Offene Netze gewinnen in Deutschlands Glasfasersektor an Fahrt
Immer mehr Unternehmen in Deutschland bereiten sich darauf vor, ihre Glasfasernetze für Dritte zu öffnen. Fast 300 Betreiber bauen derzeit die Glasfaserinfrastruktur im ganzen Land aus. Einige, wie Plusnet und die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge, planen bereits, ihre Systeme in den kommenden Jahren für externe Anbieter zugänglich zu machen.
Die Entwicklung kommt zu einer Zeit, in der Branchenführer diskutieren, ob Marktkräfte oder strengere Regulierung diesen Wandel vorantreiben werden. Deutsche GigaNetz hat kürzlich Partnerschaften mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof und Westconnect geschlossen – ein Zeichen für den Trend zu einer breiteren Netzwerkteilung. Gleichzeitig kündigte Plusnet an, in Kürze eigene Dienste über das Glasfasernetz von OXG anzubieten.
Steven Blount von EWE Tel räumte ein, dass offene Netze höhere Anfangsinvestitionen erfordern, argumentierte jedoch, sie seien entscheidend, um die Netzwerkauslastung zu maximieren. Seine Position steht im Kontrast zu Marc Kahabka von VSE Net, der warnte, dass die Nachrüstung bestehender Netze mit neuen Standards erhebliche Herausforderungen mit sich bringe.
Gleichzeitig betonte Frank Rosenberger von 1&1 Versatel die starke Kundennachfrage: 83 Prozent der Kunden wünschten sich die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Anbietern wählen zu können. Jürgen Rohr von Plusnet bleibt optimistisch und glaubt, dass sich der Markt schneller selbst regulieren werde als durch staatliche Eingriffe.
Auch der regulatorische Druck wächst. Daniela Brönstrup von der Bundesnetzagentur (BNetzA) forderte strengere Kontrollen für Fälle, in denen offene Netze nicht zustande kommen. Dennoch wurden bisher keine konkreten Zahlen oder Regionen für großflächige Open-Access-Ausrollen nach 2030 benannt.
Die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge haben einen klaren Zeitplan vorgelegt: Bis 2030 oder 2031 soll ihr Glasfasernetz unter Open-Access-Bedingungen für Dritte geöffnet werden. Der Schritt spiegelt einen branchenweiten Trend zu mehr Zusammenarbeit und gemeinsamer Infrastruktur wider.
Die Debatte über offene Netze hält an, während Unternehmen Investitionskosten gegen langfristige Vorteile abwägen. Mit fast 300 Betreibern, die Glasfasernetze ausbauen, bewegt sich die Branche in Richtung größerer Kooperation. Wie schnell dieser Wandel voranschreitet – und welche Rolle die Regulierung dabei spielen wird – bleibt abzuwarten.






