Wehrpflicht in Deutschland: Warum viele junge Männer den Fragebogen ignorieren
Cathleen HövelWehrpflicht in Deutschland: Warum viele junge Männer den Fragebogen ignorieren
Verzögerungen und Widerstand: Deutschlands Musterungsverfahren stockt
Seit 2008 müssen in Deutschland alle jungen Männer, die in diesem oder einem späteren Jahr geboren wurden, einen Fragebogen für eine mögliche Wehrpflicht ausfüllen. Doch bis Anfang Mai hatte etwa ein Viertel der Betroffenen die Meldung noch nicht vorgenommen – und riskiert damit Bußgelder.
Die Bundeswehr zählt derzeit knapp 186.000 aktive Soldatinnen und Soldaten und erreicht damit das für 2026 gesetzte Mindestziel. Langfristig strebt sie eine Truppe von mindestens 255.000 Angehörigen bis 2035 an. Aufgrund begrenzter Kapazitäten werden jedoch vorerst nur Freiwillige zu grundlegenden Eignungstests einberufen.
Auf einem Wehrpflichtgegnertreffen der Linken dominierten junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Bundestagsfraktion, fragte das Publikum, ob es freiwillig gekommen sei. Sie rief zum Widerstand auf: „Nein zum Wehrdienst, nein zur Militarisierung und nein zu einer Regierung, die gegen euch und ohne euch entscheidet!“
Bodo Ramelow, Vizepräsident des Bundestags und Mitglied der Linken, schlug vor, die Schulpflicht um ein „soziales Jahr“ in Rettungsdiensten, Feuerwehren oder der Bundeswehr zu erweitern. Daniel Lücking, politikberatender Abgeordneter und ehemaliger Soldat, diente zuvor als Offizier in der „operativen Kommunikation“ in Afghanistan.
Trotz der Meldeverzögerungen hält die Bundeswehr an ihren Ausbauplänen fest. Vor allem die Linke kritisiert die zwangsweise Erfassung als überholt. Die Debatte über Wehrpflicht und Dienstverpflichtungen bleibt in Politik und Öffentlichkeit lebendig.






