20 April 2026, 02:18

Die DDR und Joseph Beuys: Eine späte, zensierte Begegnung im Jahr 1988

Plakat für die Große Kunstausstellung in der Grand Exposition des Beaux-Arts in Dresden, Deutschland, 1904, mit auffälligem Text, der das Ereignis ankündigt.

Die DDR und Joseph Beuys: Eine späte, zensierte Begegnung im Jahr 1988

1988 zeigte die DDR die erste und einzige Ausstellung mit Werken von Joseph Beuys – Jahre nach seinem Tod. Die Schau lief von Mitte Januar bis Mitte Mai und markierte eine seltene kulturelle Öffnung in der DDR. Die Behörden hatten Beuys lange als "unerwünschte Person" eingestuft, sowohl wegen seiner politischen Haltung als auch wegen seines künstlerischen Ansatzes.

Die unter dem Titel Beuys vor Beuys präsentierte Ausstellung wurde erst nach dem Tod des Künstlers 1986 ausgehandelt. Manfred Wekwerth, damals Präsident der Akademie der Künste, räumte ein, dass Beuys nicht länger ignoriert werden könne. Die Entscheidung, seine Werke zu zeigen, spiegelte eine vorsichtige Lockerung der starren Kulturpolitik der DDR wider.

Die Ausstellung startete im Berliner Marstall, bevor sie an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst weiterzog. Gezeigt wurden 216 Werke aus der Sammlung van der Grinten, die alle zwischen 1946 und 1966 entstanden waren. Trotz der Präsentation vermieden die Organisatoren bewusst jede Erwähnung von Beuys als gesellschaftlich engagierten Künstler oder Demokraten.

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Jahre lang hatten die DDR-Behörden seinen Einfluss unterdrückt. Sein Ruf als provokative Figur passte nicht zum sozialistischen Kulturprogramm des Staates. Selbst nach seinem Tod zwang sein Erbe die Funktionäre zu einer widerwilligen Auseinandersetzung.

Die Ausstellung von 1988 bot einen begrenzten, aber beispiellosen Einblick in Beuys' frühes Schaffen in der DDR. Durch den Ausschluss seiner späteren, politisch brisanteren Werke kontrollierten die Behörden die Deutung seiner Kunst. Die Schau bleibt die einzige offizielle Präsentation seiner Werke in der DDR vor deren Untergang.

Quelle