Festbetragsreform für Apotheken: Entscheidende Woche für Preisverhandlungen steht bevor
Sigmund FreudenbergerFestbetragsreform für Apotheken: Entscheidende Woche für Preisverhandlungen steht bevor
Die Verhandlungen über die Festbetragsregelungen für deutsche Apotheken kommen voran – in der kommenden Woche stehen entscheidende Gespräche an. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Aktualisierung der Preisvorschriften, während gleichzeitig verhindert werden soll, dass Versandapotheken oder ausländische Online-Anbieter Marktanteile gewinnen.
Apotheker haben zwar signalisiert, mehr Verantwortung übernehmen zu wollen, doch mehrere strittige Punkte müssen noch geklärt werden, bevor Änderungen in Kraft treten können.
Der aktuelle Vorstoß knüpft an frühere Pläne des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) an, die Abrechnung von Rezepturarzneimitteln anzupassen. Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) rückte die Verwendung der kleinstmöglichen Packungsgröße in den Fokus. Nun geht es darum, durch Verhandlungen zwischen Apotheken und Krankenkassen transparente Festpreise festzulegen und so den bürokratischen Aufwand zu verringern.
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Festlegung der pauschalen Vergütung, die per Verordnung eingeführt werden soll. Ihre genaue Ausgestaltung ist jedoch noch umstritten. Weitere Prioritäten sind die Gewährleistung eines vollen Lese- und Schreibzugriffs für Apotheker auf die elektronische Patientenakte (ePA), um gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten zu vermeiden. Auch Rabattregelungen und die Digitalisierung spielen in den Diskussionen eine wichtige Rolle.
Ebenso drängend ist die finanzielle Seite: Die bisherige Null-Retaxationsregelung, bei der Apotheker keine finanziellen Risiken tragen, muss überarbeitet werden. Gleichzeitig sind die Einnahmen der Apotheken von 5,6 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf voraussichtlich 7,1 Milliarden Euro in 2024 gestiegen, wobei die Branche bis 2025 voraussichtlich 29 Milliarden Euro umsetzen wird. Doch steigende Kosten und der Bedarf an erweiterten Dienstleistungen setzen das System unter Druck.
Bisher liegen noch keine offiziellen Änderungsanträge vor. Die Verhandlungen werden die Koalitionspartner einbeziehen, während die Vertretung der Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) weiterhin offen ist. Die CDU-Politikerin Simone Borchardt betonte, dass in der parlamentarischen Phase vor allem zentrale Verbesserungsbereiche präzisiert werden müssten.
Die nächste Verhandlungsrunde wird zeigen, wie die Festpreise umgesetzt werden und ob Apotheker erweiterte Zugriffsrechte auf Patientendaten erhalten. Eine klare Regelung zur pauschalen Vergütung und zu finanziellen Absicherungen wird die endgültige Ausgestaltung der Vorschriften prägen.
Gelingt die Reform, könnten die Änderungen den Verwaltungsaufwand verringern und gleichzeitig ausländische sowie Online-Apotheken vom Markt fernhalten.






